Was kann alles ein SELFie?

Etwas von der Bedeutung der spielerischen (künstlerischen) Arbeit mit den eigenen und kollektiven Prägungen

Vom Persönlichen ausgehend (wichtige Erlebnisse, Orte etc.) haben wir uns anhand intuitiv gefasster Begriffsverknüpfungen zu dem hin was uns allgemein prägt (Familie, Medien etc.) auf ein spielerisches Erforschen der eigenen Identität eingelassen.

Zunächst ist es ein Prozess des Vergessens und des sich Erinnerns. Vergessen im Sinne des Urteils, sich Einlassen auf eine neue Darstellung, eine neue Gestaltungsform. Sich erinnern und es  in einem neuen Kontext zu setzen erschafft neue Ausdrucksformen und nebenbei auch das Umgestalten der Geschichte. Das Umgestalten der persönlichen Geschichte beinhaltet das Potenzial der Versöhnung (die Geschichte wird sich in einem neuen Kontext erzählt) und das Umgestalten der kollektiven Geschichte. 

Die Bewusstmachung spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle. Das beinhaltet, Unbewusstes zuzulassen, auch was die Gestaltung betrifft, sowohl im künstlerischen ,als auch im Sinne der Bewertung der persönlichen Themen. Die Interpretation in richtig oder falsch im künstlerischen Sinne ist ein großer Kreativkiller, der uns, den Künstlern, immer wieder eine Bein stellen kann, oft im Gewand des Könnens und der Meisterschaft… 

Durch Konzentration eines bestimmten Sachverhaltes (Erlebtes, Problematik, Gewünschtes etc.) auf einen bestimmten Akt (z.B. Performance) oder Symbolik (z.B. Fotografie) greifen wir in die Geschichte ein und verändern diese, ihren weiteren Lauf, etwas kann nachgeholt, oder eben auch vorweggenommen werden. Prozesse können beschleunigt und Umwege vermieden werden, auch wenn es zunächst absurd erscheint. Unbewusstes zum Vorschein bringen ist eines der wichtigsten Mittel für kulturellen Fortschritt. 

Das kann Kunst. Sie darf aber nicht dazu instrumentalisiert werden. Das ist vielleicht das einzige, was sie nicht darf. Sie muss frei sein, und frei bleiben, um freisetzen zu können.

Dadurch, dass man dem Unbewussten seinen Raum gibt, auf spielerische Art und Weise, gelangt man zu mehr Authentizität. Indem man etwas Verdrängtes oder Ungelebtes z.B. ausspricht, ausagiert, ausgestaltet, kann sich die bislang repetierte Wertung verwandeln.

Automatisch implizierte Wertbegriffe um einen Sachverhalt, eine Eigenschaft herum, können ihre Macht verlieren und Platz geben für ihre Kehrseite, die immer da ist, sobald man etwas in Materie bringt. So kann man erleben, dass eine vermeintliche Schwäche ihre starke Kehrseite zum Vorschein bringt. Das ist der erste Schritt zur Befreiung von Zwängen. (z.B. emotional=schwach)

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der künstlerischen Arbeit persönlicher und kollektiver Prägungen ist die Phantasie. Phantasie wird oft als etwas Irreales angesehen, was sie aber nicht ist. Die Phantasie ist zwar Erschaffer, aber vor allen Dingen auch Vermittler. Das was die Phantasie uns zeigt, wenn sie freigelassen wird, sind wichtige Anhaltspunkte bezüglich unseres Innenlebens, und damit ein Vektor für unsere Zeitlinie, in der wir unsere materiellen Spuren zeichnen, und uns in der Welt verorten, die wir selbst mit kreieren. Dazu braucht es  Mut, und (gegenseitige) Ermutigung. Ermutigung, sich selbst und andere zu überraschen. 

In Liebe,